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Urheber der Grafik: Thomas Schlorke

Bejagung des Wolfs nach Bundesjagdgesetz in Sachsen verhindern

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Sehr geehrte Abgeordnete,

hiermit möchte ich die Abgeordneten des Landtags bitten

1. Die geplante Umsetzung des Bundesjagdgesetz (Bundestagsbeschluss vom 05.03.2026/ Bundesrat 27.03.2026) in das Sächsische Jagdgesetz, Sächsische Jagdverordnung und in die Sächsische Wolfsmanagementverordnung abzulehnen.

2. Vor einer möglichen Änderung der Sächsischen Gesetze eine öffentliche Ausschussanhörung von Experten aus Umwelt, Naturschutz, Biologie, Weidetierhaltung und Jagdrecht zu diesem Thema im Landtag zu ermöglichen.

3. die Sächsische Staatsregierung anzuweisen

Alle weiteren Aktivitäten auf Europa-, Bundes- sowie Landesebene zu unterlassen, welche ein Bestandsmanagement des Wolf als Ziel haben und den derzeitigen Erhaltungszustand der sächsischen Wolfspopulation gefährden könnten.

Alle Vorschläge welche die Landesregierung an die Bundesregierung für die Erstellung von gemeinsamen Leitlinien für revierübergreifende Managementpläne übermitteln möchte, müssen dem Landtag/Ausschuss für Landwirtschaft und Umwelt zuvor zur Abstimmung übermittelt werden.

Begründung

Der Artikel 10 der Sächsischen Verfassung besagt.

„Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
(1) Der Schutz der Umwelt als Lebensgrundlage ist, auch in Verantwortung für kommende Generationen, Pflicht des Landes und Verpflichtung aller im Land. Das Land hat insbesondere den Boden, die Luft und das Wasser, Tiere und Pflanzen sowie die Landschaft als Ganzes einschließlich ihrer gewachsenen Siedlungsräume zu schützen. Es hat auf den sparsamen Gebrauch und die Rückgewinnung von Rohstoffen und die sparsame Nutzung von Energie und Wasser hinzuwirken.

Nicht wildlebende Tiere (wie z.B. Schafe, Ziegen und Rinder) unterliegen dem Schutz des Halters und sind in der vollen Verantwortung des Halters für deren Sicherheit. Das Land Sachsen investiert schon jetzt ca. 1 Million Euro (DBBW 2024) in präventiven Herdenschutz um diese Sicherheit zu gewähren und Tierhaltern bei den Kosten für einen effektiven Herdenschutz zu helfen.

Wildlebende Tiere haben diesen Schutzstatus nicht und unterliegen daher dem Schutz durch die Allgemeinheit, insbesondere durch die Gesetze z.B. § 1 Satz 2 TierSchG als auch § 39 BNatSchG.

Beschluss des Sächsischen Landtags
16.09.2026


1. Petitum

Gegenstand der Petition sind folgende Forderungen an die Mitglieder des Sächsischen Landtags:

1) Anpassungen des sächsischen Jagdrechtes zur Umsetzung des Bundesjagdgesetzes (Aufnahme des Wolfes) verhindern.

2) Ermöglichung öffentlicher Ausschussanhörung im Landtag vor etwaigen Änderungen sächsischer Gesetze.

3) Anweisung der Sächsischen Staatsregierung

a) zur Unterlassung aller weiteren Aktivitäten, welche ein Bestandsmanagement des Wolfs als Ziel haben und den derzeitigen Erhaltungszustand der sächsischen Wolfspopulation gefährden könnten sowie

b) zur Abstimmung aller Vorschläge, welche die Landes- an die Bundesregierung für die Erstellung gemeinsamer Leitlinien für revierübergreifende Managementpläne übermitteln möchte, mit dem Landtag, Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft, vor deren Übermittlung.

2. Sachverhalt

Das Gesetz zur Änderung des Bundesjagdgesetzes und zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29. März 2026 wurde am 1. April 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet und ist am 2. April 2026 in Kraft getreten. Es fügt umfassende Regelungen zur Bejagung des Wolfes in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) ein und streicht im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) die nur für den Wolf geltende Sonderregelung des § 45a.

3. Beurteilung

Zu 1):
Die Bundesgesetze sind durch die Länder zu vollziehen (Artikel 83 Grundgesetz).

Im Freistaat Sachsen gilt: Die Landkreise und kreisfreien Städte sind als untere Jagdbehörden (§ 32 Absatz 1 Nummer 3 des Sächsischen Jagdgesetzes (SächsJagdG) gemäß § 33 Absatz 1 SächsJagdG die „zuständigen Behörden“ im Sinne der jetzt im Bundesjagdgesetz (BJagdG) enthaltenen Regelungen zur Bejagung des Wolfes.

Der Bundesgesetzgeber hat eine Reihe neuer Aufgaben geschaffen, die aus fachlichen Gründen nicht von den unteren Jagdbehörden erfüllt werden können (zum Beispiel die Aufstellung eines revierübergreifenden Managementplans zur Wolfsbejagung, der auf die Aufrechterhaltung des günstigen Erhaltungszustandes auszurichten ist). Erforderlich werden daher Anpassungen im sächsischen Jagd- und Naturschutzrecht, die insbesondere der Schaffung von Rechtssicherheit der im künftigen Wolfsmanagement handelnden Akteure sowie der praktikablen Umset-zung der neuen Normen dienen.

Ohne Anpassung des sächsischen Jagdrechts besteht mithin das Problem, dass bestimmte nationale Aufgaben im Wolfsmanagement, insbesondere durch eine abgestimmte Managementplanung in den Ländern, nicht erfüllt werden könnten.

Zu 2):
Hierüber entscheidet der Sächsische Landtag in eigener Zuständigkeit.

Zu 3a) und 3b):
Mit der Änderung des BJagdG wurde das Bestandsmanagement des Wolfes vom Bundesgesetzgeber um die Bejagung des Wolfes ergänzt. Es ist in seiner Gesamtheit auf die Erhaltung beziehungsweise bei gegebenenfalls zwischenzeitlich eintretendem Verlust auf die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes des Wolfes in der jeweiligen biogeographischen Region auszurichten. Die Inkaufnahme einer bewussten Verschlechterung des Erhaltungszustands im Rahmen von Managementmaßnahmen ist danach nicht gegeben.

Der Freistaat Sachsen hat Anteil an der Wolfspopulation in der kontinentalen biogeographischen Region der EU und steht – wie alle anderen beteiligten Bundesländer auch – in einer entsprechend wahrzunehmenden Handlungsverantwortung. Im Interesse des Akzeptanzerhalts kommt es zukünftig auch darauf an, dass Schäden anrichtende Wölfe schneller und rechtssicherer als bisher aus der Population entnommen werden können und dass der Wolfsbestand insgesamt so reguliert werden kann, dass sich die Schäden in der Weide- und Nutztierhaltung langfristig verringern.

Die neuen Regelungen müssen den im Wolfsmanagement Beteiligten rechtssichere Handlungsmöglichkeiten eröffnen und zugleich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Wolf im Rahmen eines praxistauglichen Managements gewährleisten. Der Wolf wird dauerhaft ein Bestandteil der heimischen Fauna bleiben.

Zur Herstellung von Rechtssicherheit zählt insbesondere auch, dass nach Möglichkeit und dabei idealerweise koordiniert durch den Bund eine Umsetzung der geänderten Bundesgesetze in enger Abstimmung mindestens derjenigen Bundesländer erfolgt, die jeweils Anteil an der Wolfspopulation einer biogeographischen Region haben. Hierzu bedarf es eines intensiven, engen und unmittelbaren Austauschs innerhalb der Verwaltung.

Der Vollzug der gesetzlichen Regelungen ist Gegenstand der verfassungsmäßigen Aufgaben der Staatsregierung und der Verwaltung.

4. Ergebnis

Der Petition kann nicht abgeholfen werden.

Details

Veröffentlichungsdatum
20.04.2026
Petent/in
Joachim Jahn
Status
abgeschlossen
Mitzeichnungs­frist abgelaufen
3.175 Mitzeichner