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An den
Sächsischen Landtag
Petitionsausschuss
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Petition: Überprüfung und Weiterentwicklung des Personalschlüssels in sächsischen Kindertageseinrichtungen
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wende mich als pädagogische Fachkraft und Leiterin einer Kindertageseinrichtung in Sachsen an den Sächsischen Landtag, weil ich die derzeitige Situation des Personaleinsatzes in sächsischen Kindertageseinrichtungen mit großer Sorge beobachte.
Insbesondere beschäftigt mich die Frage, weshalb Sachsen trotz des im Bundesvergleich hohen Betreuungsaufwands weiterhin an den bestehenden Personalschlüsseln festhält und weshalb sinkende Kinderzahlen nicht stärker dazu genutzt werden, die personelle Ausstattung und damit die Qualität der pädagogischen Arbeit zu verbessern.
Nach den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes liegt Sachsen beim Personal-Kind-Schlüssel insbesondere im Kindergartenbereich deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Für Sachsen werden 10,4 Kinder je pädagogisch tätiger Person ausgewiesen. Gleichzeitig bestehen in den Einrichtungen hohe Anforderungen an die pädagogische Arbeit.
Der gesetzlich festgelegte Personalschlüssel bildet jedoch nicht die gesamte tatsächliche Arbeitsbelastung einer pädagogischen Fachkraft ab. Neben der unmittelbaren Arbeit mit den Kindern gehören unter anderem Bildungs- und Entwicklungsdokumentation, Elterngespräche, Elternarbeit, Beobachtung und Dokumentation, Teamarbeit, Vor- und Nachbereitung, Kooperation mit anderen Fachstellen sowie die Umsetzung des Kinderschutzes und zunehmend auch Aufgaben im Bereich Inklusion zum pädagogischen Alltag.
Gleichzeitig sinken vielerorts die Kinderzahlen
Besonders widersprüchlich erscheint mir die derzeitige Entwicklung dort, wo aufgrund rückläufiger Kinderzahlen Beschäftigungsumfänge und Arbeitsplätze pädagogischer Fachkräfte gefährdet sind.
Aus meiner Sicht stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage:
Warum werden sinkende Kinderzahlen nicht vorrangig dazu genutzt, die Relation zwischen Kindern und pädagogischen Fachkräften zu verbessern, anstatt vorhandene Beschäftigungsumfänge zu reduzieren?
Wenn weniger Kinder betreut werden müssen, könnte dies eine Chance sein, die pädagogische Qualität zu erhöhen, kleinere Gruppen beziehungsweise bessere Betreuungssituationen zu ermöglichen, Ausfallzeiten besser aufzufangen und den Fachkräften mehr Zeit für individuelle Förderung, Beobachtung, Elternarbeit, Dokumentation und Kinderschutz zu geben.
Stattdessen erleben Beschäftigte teilweise die Sorge, ihre Arbeitszeit reduzieren zu müssen, obwohl gleichzeitig seit Jahren über hohe Belastungen im pädagogischen Bereich gesprochen wird.
Daher bitte ich den Sächsischen Landtag um Prüfung insbesondere folgender Fragen:
1. Wie bewertet die Sächsische Staatsregierung den derzeitigen sächsischen Personalschlüssel im Vergleich zu den anderen Bundesländern?
2. Aus welchen fachlichen und pädagogischen Gründen hält Sachsen an den derzeitigen Personalschlüsseln fest?
3. Warum werden sinkende Kinderzahlen nicht stärker dafür genutzt, den tatsächlichen Personaleinsatz pro Kind zu verbessern?
4. Ist geplant, den Personalschlüssel künftig stärker an der tatsächlichen Kinderzahl, den Betreuungszeiten und dem tatsächlichen pädagogischen Bedarf auszurichten?
5. Wie werden bei der derzeitigen Personalbemessung zusätzliche Aufgaben wie Kinderschutz, Inklusion, Entwicklungsdokumentation, Elternarbeit und Vor- und Nachbereitungszeiten berücksichtigt?
6. Welche Maßnahmen plant der Freistaat Sachsen, um zu verhindern, dass sinkende Kinderzahlen zu einem Abbau pädagogischer Fachkräfte beziehungsweise zu einer Reduzierung von Beschäftigungsumfängen führen, obwohl gleichzeitig ein erheblicher Bedarf an qualitativ hochwertiger pädagogischer Arbeit besteht?
Ich bitte den Sächsischen Landtag daher darum, die derzeitige Personalsituation in sächsischen Kindertageseinrichtungen grundsätzlich zu überprüfen und gegenüber der Sächsischen Staatsregierung auf eine fachlich fundierte Weiterentwicklung des Personalschlüssels hinzuwirken.
Insbesondere sollte geprüft werden, ob die durch sinkende Kinderzahlen entstehenden personellen Spielräume genutzt werden können, um die Betreuungsrelation und damit die Qualität der frühkindlichen Bildung und Betreuung tatsächlich zu verbessern.
Kinderzahlen sollten aus meiner Sicht nicht allein als Grundlage für den Abbau von Personal betrachtet werden. Sie sollten vielmehr die Möglichkeit eröffnen, den Kindern mehr individuelle Zuwendung und den pädagogischen Fachkräften bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.
Ich bitte um eine Stellungnahme zu den genannten Fragen und um Mitteilung, welche konkreten Maßnahmen der Freistaat Sachsen zur Weiterentwicklung des Personalschlüssels und zur Sicherung der Beschäftigung in Kindertageseinrichtungen plant.
Mit freundlichen Grüßen
Elisa Nehrig