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An sächsischen Schulen fallen Unterrichtsstunden aus unterschiedlichen Gründen aus, zum Beispiel durch kurzfristige Erkrankungen, längere Abwesenheiten, Personalmangel oder die zeitweise Abordnung von Lehrkräften an andere Schulen. Dadurch geht wertvolle Lernzeit verloren.
Ich rege daher an, die bereits vorhandenen digitalen Möglichkeiten des Freistaates Sachsen, insbesondere Lernsax, um einen einfachen und verbindlichen "Ausfallstunden-Modus" zu erweitern.
Ziel ist nicht, regulären Unterricht oder Lehrkräfte zu ersetzen. Vielmehr soll verhindert werden, dass eine ausgefallene Unterrichtsstunde vollständig ungenutzt bleibt.
So könnte das System funktionieren:
Wenn morgens bekannt wird, dass eine Lehrkraft ausfällt, kann die Schule für die betroffene Klasse und das entsprechende Fach mit wenigen Klicks eine vorbereitete digitale Unterrichtseinheit aktivieren, zum Beispiel:
Klasse 7b - Mathematik - 3.Stunde - Unterrichtsausfall
Die Schülerinnen und Schüler bleiben während der regulären Unterrichtszeit in der Schule und bearbeiten die bereitgestellte Lerneinheit auf schulischen Tablets oder anderen vorhandenen Geräten.
Die jeweilige Fachlehrkraft könnte bereits im Vorfeld festlegen, welche Einheit bei einem Ausfall verwendet werden soll. Dadurch müsste die Schulleitung im Krankheitsfall nicht erst nach geeigneten Materialien suchen.
Die digitalen Unterrichtseinheiten sollten sich am sächsischen Lehrplan und am aktuellen Lernstand orientieren und möglichst eine vollständige 45-Minuten-Lerneinheit bilden. Dazu könnten gehören:
- kurze Erklärvideos oder Animationen
- verständliche Texte, Grafiken und Beispiele
- Übungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen
- Lösungen und Möglichkeiten zur Selbstkontrolle
- ein kurzer Lerncheck
- automatische Dokumentation der bearbeiteten Aufgaben
Bei längeren Ausfällen könnte das System auch mehrere aufeinanderfolgende Lerneinheiten bereitstellen. So könnte eine strukturierte Weiterarbeit
ermöglicht werden, bis der reguläre Fachunterricht wieder stattfindet. Der dokumentierte Lernstand könnte anschließend der Fachlehrkraft zur Verfügung stehen.
Die betreuende Person müsste dabei nicht zwingend Fachlehrkraft des jeweiligen Unterrichtsfaches sein. Ihre Aufgabe wäre insbesondere die Aufsicht sowie die Unterstützung bei organisatorischen oder technischen Problemen. Die Schülerinnen und Schüler hätten damit weiterhin einen geregelten schulischen Tagesablauf und eine verbindliche Lernzeit.
Dabei sollte geprüft werden, welche rechtlichen Voraussetzungen für eine solche verbindliche Ausfallstunden-Regelung erforderlich sind.
Das System könnte außerdem für Wiederholungsstunden, individuelles Üben, Nachholen versäumter Inhalte oder zusätzliche Lernangebote
genutzt werden.
Nicht jedes Fach und jeder Unterrichtsinhalt lässt sich digital ersetzen. Praktische Fächer, Sport, Experimente oder bestimmte pädagogische Situationen benötigen weiterhin regulären Fachunterricht. Der digitale Ausfallstunden-Modus soll deshalb nur dort eingesetzt werden, wo dies pädagogisch sinnvoll ist.
Ich bitte den Sächsischen Landtag zu prüfen, wie ein solcher Ausfallstunden-Modus auf Grundlage bestehender digitaler Infrastruktur wie zum Beispiel LernSax entwickelt und zunächst an ausgewählten Schulen erprobt werden kann.
Dabei sollten unterschiedliche Schularten einbezogen und wissenschaftlich begleitet werden. Zu untersuchen wären unter anderem die technische Umsetzung, der Betreuungsaufwand, geeignete Fächer und Lerninhalte sowie die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften.
Unterrichtsausfall lässt sich nicht immer verhindern - Lernzeitausfall möglicherweise schon.