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Urheber der Grafik: Thomas Schlorke

Veganes Wahlangebot in der Gemeinschaftsverpflegung öffentlicher Einrichtungen

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Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit wende ich mich gemäß Artikel 17 Grundgesetz mit folgender Bitte an den Landtag:
Der Landtag möge beschließen, die Landesregierung aufzufordern,
1. einen Gesetzentwurf vorzulegen und/oder geeignete förder- und verwaltungspolitische Maßnahmen zu ergreifen, mit dem Ziel, dass in allen öffentlich verantworteten Gemeinschaftsverpflegungen – insbesondere in Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulmensen, Behördenkantinen und anderen öffentlichen Einrichtungen – mindestens eine vollwertige vegane Mahlzeit als tägliche Wahloption verpflichtend angeboten wird, und
2. auf eine Umsetzung hinzuwirken, die sich an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur gesunden und nachhaltigen Ernährung orientiert, insbesondere an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Begründung
1. Gleichberechtigte Teilhabe und Diskriminierungsfreiheit
Der EGMR hat in G.K. und A.S. gegen die Schweiz (Urt. v. 16.07.2026, Beschwerde-Nr. 55299/20 und 31515/22) erstmals anerkannt, dass ein auf ernsthaften und kohärenten ethischen Überzeugungen beruhender Veganismus in den Schutzbereich der Gedanken- und Gewissensfreiheit nach Art. 9 EMRK fallen kann.
Der Veganismus wird von vielen Menschen als ethische Weltanschauung gelebt. Eine Gemeinschaftsverpflegung, die nur Mischkost oder allenfalls vegetarische Angebote vorsieht, erschwert diesen Personen – einschließlich Kindern und Jugendlichen in Schulen und Kitas – die gleichberechtigte Teilnahme an der Verpflegung und kann faktisch zu Ausgrenzung führen.
Ein verpflichtendes veganes Wahlangebot würde:
• keine Person in ihren Ernährungsgewohnheiten beschränken, da weiterhin auch nicht vegane Optionen bestehen können,
• zugleich aber vegane und aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen auf bestimmte Lebensmittel verzichtende Personen einbeziehen und diskriminierungsfreie Teilhabe ermöglichen.
2. Gesundheitliche Gründe
Aktuelle Studien und Stellungnahmen zeigen, dass eine gut geplante, pflanzenbetonte bzw. vegane Ernährung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gesundheitlich geeignet ist und mit relevanten Vorteilen verbunden sein kann, u.a. durch höhere Ballaststoffzufuhr, geringere Aufnahme gesättigter Fettsäuren, mehr Vitamine und ein günstigeres Risikoprofil für nichtübertragbare Krankheiten wie Typ 2 Diabetes und Herz Kreislauf-Erkrankungen.
Die VeChi Youth Studie im 14. DGE Ernährungsbericht zeigt, dass sich Kinder und Jugendliche bei veganer, vegetarischer und omnivorer Ernährung überwiegend ausreichend mit Hauptnährstoffen und den meisten Vitaminen und Mineralstoffen versorgen, wenn auf kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Jod und Calcium geachtet wird.
Die DGE hat in ihrer aktuellen Neubewertung 2024 festgestellt, dass eine vegane Ernährung für gesunde Erwachsene – bei Vitamin B12 Supplementation, guter Planung und Berücksichtigung potenziell kritischer Nährstoffe – eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise darstellen kann.
Die Academy of Nutrition and Dietetics bewertet angemessen geplante vegetarische und vegane Ernährungsformen als gesund und für alle Lebensphasen geeignet, einschließlich Kindheit und Jugend.
3. Umwelt- und Klimaschutz
Die DGE stuft eine vegane Ernährungsweise als äußerst umweltfreundlich ein; sie sei eine empfehlenswerte Maßnahme zur Verringerung der Umweltbelastungen des Ernährungssystems. Metaanalysen und Modellierungen kommen zu dem Ergebnis, dass vegane Ernährungsweisen im Vergleich zu üblichen omnivoren Kostformen die Treibhausgasemissionen der Ernährung um etwa 70–80 % reduzieren können und in der Regel deutlich weniger Land und oft weniger Wasser beanspruchen.
Auch nationale Leitlinien, wie etwa Empfehlungen zur Schulverpflegung, betonen zunehmend die Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel und die Reduktion des Fleischkonsums als Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz.
Die WHO empfiehlt in ihren Ernährungsempfehlungen plant-based geprägte, abwechslungsreiche Kostformen mit hohem Anteil unverarbeiteter pflanzlicher Lebensmittel und geringer Aufnahme von gesättigten Fetten, Zucker und Salz.

4. Praktische Umsetzbarkeit
Bereits heute gibt es Einrichtungen der Kinderbetreuung, die vollständig oder weitgehend vegan verpflegen und zeigen, dass eine bedarfsgerechte und akzeptierte vegane Kinderernährung organisatorisch möglich ist. Die DGE stellt zudem Materialien für die Gestaltung veganer Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen bereit. Die Erfahrungen dieser Einrichtungen und die vorhandenen professionellen Standards können für eine bundesweit abgestimmte Umsetzung genutzt werden.
Aus den genannten Gründen bitte ich den Deutschen Bundestag, mein Anliegen wohlwollend zu prüfen und die notwendigen Schritte einzuleiten, damit in allen öffentlich verantworteten Gemeinschaftsverpflegungen in Deutschland künftig mindestens eine vollwertige vegane Mahlzeit als tägliche Wahloption verpflichtend angeboten wird.

Details

Veröffentlichungsdatum
11.09.2026
Petent/in
Nadine Hieß
Organisation
Anwaltskanzlei Hieß
Status
in Mitzeichnung
41
Tage
0 Mitzeichner, noch 2.500 bis
Quorum
Mitzeichnungen
Es haben insgesamt 0 Personen in dieser Petition mitgezeichnet und davon 0 Personen anonym.